1. Donar ist mit uns!
"Guten Morgen, ihr beiden Langschläfer!", rief die Mutter und lachte, als sie ihre beiden Mädchen sah. "Na endlich hat der warme Westwind die kalten Wolken vertrieben. Kommt essen!" Dann wandte sie sich schon wieder dem großen Topf zu, in dem ein Brei vor sich hin blubberte. Ihr langer dunkelbrauner Zopf wippte dabei hin und her, bis er auf dem grob gewebten Kleid, das sie trug, wieder seinen Platz fand. Nur das kleine handliche Messer, das sie stets an ihrem Gürtel aufbewahrte, fand schnell zu seiner Stelle zurück.
Auch Großmutter Oda war schon lange wach. Jeden Morgen machte sie sich die Mühe, zwei Zöpfe zu flechten, die sie hinter den Ohren mit Haarnadeln aufwickelte und feststeckte. Ihr langes, blondes Haar war einst ihr ganzer Stolz gewesen, aber im Alter war es ganz grau und dünn geworden. Auch ihr Kleid hatte irgendwann einmal eine Farbe besessen – war es grün? Vom vielen Tragen war die Farbe ganz ausgeblichen. An ihrem Gürtel hingen viele kleine Beutel, in denen sie tausend Nützlichkeiten aufbewahrte: Kämme, Bänder, Schnüre, ein Stück Leder, etwas Schafwolle, Federn und die Kralle eines Vogels. Um den Hals trug sie einen kleinen Anhänger, der aussah wie ein kleiner Hammer - Donars Hammer. Oda glaubte daran, dass diese Dinge sie vor den bösen Geistern beschützten. Im kleinen Grubenhaus saß sie bereits auf ihrem Lieblingsplatz vor dem Webstuhl. Von dort rief sie: "Donar ist mit uns! Er schickt uns endlich das Frühjahr." Zufrieden blickte Oda dabei zum Himmel.