Was meinst du, wie deine Vorfahren zum christlichen Glauben gefunden haben?

Die Geschichten, die Jesus erlebt und erzählt hat, sind dir bestimmt - wie den meisten anderen Menschen - besonders im Gedächtnis geblieben. Warum! Sie begleiten uns in der Kirche durch das Kirchenjahr. Warum! Sie beeindrucken uns Menschen - heute wie damals.

Ist es da nicht anzunehmen, dass auch deine Vorfahren auf diese Weise von Gott und seinem Sohn Jesus Christus erfahren haben?

Im Buch "Die Kinder vom Sachsenhof" erzählt der Priester, Bruder Martin, den Bewohnern des Sachsenhofes Geschichten von Jesus Christus.

Du kannst sie im Neuen Testament oder auf dieser Seite nachlesen:

Bruder Martin erzählt den Sachsen die Weihnachtsgeschichte

„Wir Christen glauben nur an einen einzigen Gott. Er ist ein barmherziger Gott. Er liebt die Menschen. Sein wichtigstes Gebot ist die Nächstenliebe: ´Liebe deinen Nächsten wie dich selbst`". Jetzt wurden alle noch neugieriger, die Erwachsenen und die Kinder. „Von so einem Gott habe ich ja noch nie gehört", dachte sich Swantje. Auch Emso und Ansgar waren überrascht. Dass dieser Gott der Christen barmherzig sein sollte, hatten sie ebenfalls noch nie gehört. „Erzähle von Jesus!", bat Emso. Da begann Bruder Martin die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Gebannt hörten ihm alle zu.

Die Geburt Jesu (aus Mt 1,18 - 25)

Die heilige Familie

"Die heilige Familie" von El Greco, 1604
Quelle: Wikipedia

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist von Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.


Die Geburt Jesu (aus Lk 2,1 - 20)

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Qurinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.


Die Huldigung der Sterndeuter (aus Lk 2,1 - 2,23)

Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Die heiligen drei Könige

"Die heiligen drei Könige" von Meister von Meßkirch, ca. 1538
Quelle: Wikipedia

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die Unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel.

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Bruder Martin erzählt von der Kindheit Jesu

Bevor alle schlafen gingen, bat Emso den Priester ihnen noch mehr von Jesus Christus zu erzählen. Auch Freya und Oda sollten etwas über diesen Jesus erfahren. Emso wollte sich eine Meinung über den christlichen Glauben bilden, bevor er ihn verurteilte. Und so erzählte Bruder Martin von der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten und wie Jesus als kleiner Junge in den Tempel kam.

Die Flucht nach Ägypten (aus Lk 2)

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Der Kindermord in Betlehem

Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:

Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren dahin.

Die Rückkehr aus Ägypten

Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.


Der zwölfjährige Jesus im Tempel (aus Lk 2,41–52)

Jesus mit den Toralehrern

"Jesus mit den Toralehrern" von Giotto di Bonbone, 1337
Quelle: Wikipedia

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Johannes der Täufer und die Taufe Jesu

Für Swantje war es nicht ganz so einfach, sich im Wasser sicher zu bewegen. Ihr Bein war nicht kräftig genug. So fiel sie immer wieder hin und war irgendwann so durchnässt und durchgefroren, dass sie sich umziehen gehen musste. Die Erwachsenen sahen nachdenklich hinter ihr her. Ein jeder von ihnen wusste, dass es für das Mädchen mit seiner Beinbehinderung nicht immer einfach sein würde im Leben. „Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Swantje" gekommen? Ein ungewöhnlicher Name. Woher kommt er?", fragte Bruder Martin.

Emso schaute ihn an und begann die Geschichte der Namensweihe zu erzählen: „An dem Tag, als Swantje geboren wurde, war ich morgens am Fluss, um Fische zu fangen. Eine Schwanenmutter schwamm mit ihren Jungen vorbei, als plötzlich ein Luchs auftauchte und versuchte eines der Jungen zu fangen. Es hatte sich etwas zu nah an der Böschung aufgehalten. Fast wäre es um das Schwanenkind geschehen. Doch die Mutter hatte die Gefahr erkannt und mit lautem Geschnatter und Flügelflattern den Luchs vertreiben können. Den Mut und die Tapferkeit dieser Schwänin wünschte ich unserem kleinen Mädchen bei seiner Geburt. Wir haben sie dann hier im Flusswasser auf den Namen ‚Swanhild' getauft. Aber jeder nennt sie nur Swantje."

Bruder Martin sah ihn nachdenklich an. „Viel zu viel Blut ist in diesem Sachsenkrieg geflossen. Wenn du möchtest, dann erzähle ich euch heute Abend die Geschichte von Johannes dem Täufer und der Taufe Jesu."


Johannes der Täufer (aus Mt 3,1-11)

Johannes der Täufer

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat:

Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen!

Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entkommen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Die Taufe Jesu

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Emso ritt auf die Gruppe zu: „Den Göttern und eurem Gott zum Gruß! Können wir euch helfen?" Mit dieser Frage zügelte er sein Pferd und sah die beiden Männer abwartend an. Hoffentlich würden sie seine Hilfsbereitschaft nicht in Anspruch nehmen wollen, denn das hieße sie zu seinem Hofe zu führen und ihnen Unterkunft zu gewähren. Der lahmende Ochse brauchte ganz dringend eine Rast.

„Dem Himmel sei Dank, endlich treffen wir auf einen barmherzigen Samariter", sagte der Mann mit dem braunen Gewand und bekreuzigte sich dabei. Der andere Mann blickte ebenfalls hoffnungsvoll zu Emso hoch. „Ja, wir können deine Hilfe gut gebrauchen. Wie du bestimmt schon gesehen hast, lahmt der eine von den beiden Ochsen. Er ist heute früh über eine Wurzel gestolpert und hat sich das Bein verletzt."


Das Beispiel vom barmherzigen Samariter (aus Lk 10,25-37)

Da stand ein Gesetzeslehrer auf und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzen Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst lieben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Bruder Martin betet das Vaterunser

Kalle, Otto, Willi und Hildrun verstanden zwar kein Wort von dem, aber setzten sich dazu und falteten ebenfalls ihre Hände, wie sie es schon oft bei den Christen gesehen hatte. Lasst Swantje am Leben!, betete Willi, und er wusste nicht, ob er zu den Göttern der Germanen oder der Christen beten sollte.


Vom Beten – Das Vaterunser (aus Mt 6,5-15)

Jesus im Tempel

"Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel" von Giotto di Bonbone, 1306
Quelle: Wikipedia

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten:

Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.

Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

In Deutsch:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille gschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft, in Herrlichkeit.
Amen.

In Latein:

Pater noster, qui es in caelis.
Sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum quotidianum da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem, sed libera nos a malo.
Quia tuum est regnum et potestas et gloria in saecula.
Amen.

Bruder Martin erzählt von der Tochter des Jairus

„Diese verdammte Eiche – morgen werde ich zur Weide gehen und die Eiche kurz und klein schlagen. Brennholz werde ich aus ihr machen!", schimpfte Willi. Otto nickte ihm zu: „Und ich werde dir dabei helfen!" Johannes sah die beiden an, dann blickte er zu Bruder Martin. „Onkel, kannst du uns nicht wieder eine Geschichte erzählen?" Nachdenklich sah ihn der Priester an. „Ist jetzt wohl der richtige Augenblick für die Geschichte von Jairus und seiner Tochter?"


Die Auferweckung der Tochter des Jaïrus und die Heilung einer kranken Frau (aus Mk 5,21–43)

Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm.

Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei viel zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie die Leute sich um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Bruder Martin erzählt die Ostergeschichte

Bruder Martin hatte sich zurückgehalten. Er wusste, dass diese Entscheidung für Emso und seine Sippe sehr wichtig war. Doch jetzt konnte er sie beruhigen. „Wir Christen feiern morgen auch ein Fest – das Fest der Auferstehung." Da strahlte Swantje, doch sogleich fiel ihr wieder etwas anderes ein: „Ich habe aber jetzt schon Hunger!" „Ach du liebe Güte! Dein Brei – wie konnte ich den nur vergessen?", rief Oda und brachte sofort das Ersehnte.

Später am Tag erzählte ihnen der Priester auch noch die Geschichte vom Tode und der Auferstehung Jesu Christi.

Die Verurteilung durch Pilatus und die Kreuzigung (aus Mt 27)

Am Morgen fassten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes gemeinsam den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen. Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn dem Statthalter Pilatus aus...

Jesus wurde vor den Statthalter geführt, und der Statthalter fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.

[Die Geschichte setzt sich fort mit der Kreuzigung, dem Tod Jesu und seiner Auferstehung am dritten Tag...]

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