Waffen und Werkzeuge der Germanen

Was sind WAFFEN 

Waffen sind in erster Linie Gegenstände, mit denen man einen menschlichen Gegner verletzen und töten oder Dinge zerstören kann.
Heute werden Waffen auch in verschiedenen Sportarten benutzt, z.B. beim Sportschießen. Dabei geht es dann natürlich nicht um eine Angriffssituation, in der sich ein Mensch verteidigen muss, sondern nur um Geschick und Treffsicherheit. Es handelt sich um einen rein sportlichen Wettkampf.

schmiedaufpferd-25.jpgUnsere Vorfahren, die Germanen, mussten ihre Waffen allerdings einsetzten, um im Kampf ihr Leben zu retten und das Überleben ihrer Sippe zu garantieren. Sie lebten in einer unruhigen, kriegerischen Zeit. Waffen waren für deine Vorfahren also lebenswichtig.


Auf dem Bild siehst du Thorsten, den Schmied, wie er in seiner Kriegsausrüstung auf den Sachsenhof einreitet, um die Christen zu vertreiben.
Thorsten, dieser Name passt zu einem Schmied: Thor: Gott Donar, der mit dem Hammer zuschlägt - und sten kommt von Stein.


Copyright des Bildes: Ulrike Karau

 

  Wie waren die alten Germanen bewaffnet? 

Die meisten Männer besaßen mindestens ein Schild, einen Speer und eine Lanze. Fußsoldaten trugen zusätzlich mehrere kleine Wurfspieße. Ein Junge, wie z.B. Otto vom Sachsenhof, besaß zunächst nur einen Speer.  Aber erst mit Schild, Speer und Sax galt er in seiner Sippe als richtiger Mann.
Den Schmieden, die die „Wunderwaffen“ herstellten, sagten die Germanen übermenschliche Fähigkeiten nach. Im Gegensatz zu den Römern trugen die Germanen keine Schutzkleidung. Sie hatten Baumwoll-, Leder- oder Pelzkleider an und trugen keine Helme oder Panzer. Manche germanischen Krieger kämpften sogar mit nacktem Oberkörper. So waren sie zwar weniger gegen Waffengewalt von Angreifern geschützt, aber durch ihre leichte Bekleidung und Bewaffnung schneller und beweglicher.

 Hier eine kleine Übersicht über die wichtigsten Waffen der Germanen: 

Schild:
Ein Schild ist eine gewölbte, meist hölzernen Platte. Schilde sollten ihre Träger vor Hieben, Stichen und Stößen der Gegner schützen und gehören daher zu den Schutzwaffen. Bei den germanischen Kriegern gehörten sie zur Grundausrüstung. Die Germanen stellten ihre Schilde aus Hölzern wie Eschenholz, Erle oder Ahorn her, da diese sehr leicht sind. Sie überzogen sie mit Leder, das sie bemalten. So konnte jeder erkennen, zu welcher Sippe die Krieger gehörten. Sein Schild bei einem Kampf auf dem Feld zu verlieren, war eine Schande für einen germanischen Krieger. Er galt dann als ehrlos. 

Frame / Lanze:
Eine Lanze, bei den Germanen auch als Frame bekannt, ist ein langer, vergleichsweise leichter Wurfspieß. Der Schaft wurde aus Holz gefertigt; die scharfe, schmale und kurze Spitze aus Eisen. Sehr arme Germanen fertigten sich auch Spitzen aus im Feuer gehärtetem Holz. Die Frame gilt als meistgetragene Waffe bei unseren Vorfahren. Sie eignete sich zum Wurf, Stoß und Hieb und war daher im Kampf flexibel einsetzbar. 

ottokar_01.jpgGer / Speer:
Ein Ger ist ein zumeist aus Eschenholz gefertigter Wurfspieß. Er ist der Frame sehr ähnlich. Jeder, der gerne Kreuzworträtsel löst, wird regelmäßig nach dem germanischen Wurfspieß Ger gefragt. Einer Legende nach sollen die Römer, als sie über die Alpen marschierten und hier die ersten Männer mit einem Ger bewaffnet sahen, diese anschließend "Männer mit dem Ger" -> Germanen genannt haben.

Copyright des Bildes: Ulrike Karau

Axt:Die Streitaxt gehörte erst später, seit dem 5. Jahrhundert, zur Waffenausstattung germanischer Krieger. Sie bestand aus einem kurzen, kräftigen Holzgriff und einer eisernen Klinge. 

Schwerter:
Ein Schwert ist eine Waffe, die aus einer meist zweischneidigen Klinge und einem Griff besteht. Unsere Vorfahren kannten lange breite zweischneidige Hiebschwerter wie die Spatha. Die Spatha ist ein typisches Langschwert von etwa 1 ½ Metern Länge und 2 ½ Kilogramm Gewicht. Das ist so viel wie 2 ½ Packungen Mehl. Wenn du die einmal hochhebst, kannst du dir vorstellen, wie schwer ein solches Langschwert gewesen sein muss. Die Germanen besaßen auch kurze einschneidige Stoßschwerte. Der Sax gilt als beliebteste Form des Kurzschwertes. Er ist 0,5 bis 0,8 Meter lang und eignet sich vor allem zum Nahkampf. Da Schwerter aus Eisen gefertigt wurden, waren sie sehr teure, wertvolle Waffen, die vor allem wohlhabende Germanen besaßen. Sie trugen ihre Schwerter zumeist in einer Scheide aus Holz und Leder oder Fell am Gürtel oder quer an einem Lederriemen über den Rücken gebunden. Oft waren die Schwerter mit heilbringenden Mustern oder Zeichen verziert.runen_themsemesser.jpg




Auf dem Bild oben siehst du übrigens eine Runenschrift, die in ein Sax eingeritzt wurde.
Es sollte dem Schwert eine besondere Macht verleihen.

Quelle des Bildes: Wikipedia

Was sind
WERKZEUGE? 

Werkzeuge sind Geräte, mit deren Hilfe man Arbeiten erleichtern kann. Wenn du dir mit einem Freund einen Apfel teilen möchtest, ist es für euch schwierig, ihn mit den Händen in zwei Stücke zu  zerbrechen. Aber mit Hilfe eines Werkzeuges, nämlich des Messers, ist es ganz leicht.
  

Werkzeuge bei den Germanen:
 

Die Germanen betrieben Ackerbau und Viehzucht, um sich und ihre Familien zu ernähren. Fast alle Dinge, die unsere Vorfahren zum Leben brauchten, stellten sie selber her. Selbst die Werkzeuge, die ihnen ihre Arbeiten erleichtern sollten, mussten zunächst einmal ausgedacht und gebaut werden. So erfanden die Germanen viele nützliche Dinge, wie z. B. einfache Dreschflegel aus Holz, um die Körner vom Stroh zu trennen oder Reibsteine für die Herstellung von Mehl aus Körnern.
 Zur Herstellung von Werkzeugen wurden Hölzer, Ton, Leder, Pflanzenteile und Eisen verwendet. Besonders das Eisen war sehr kostbar, da es schwierig herzustellen war: Den Rohstoff Erz gewann man aus den Moorgebieten. Um aus diesem Rohstoff allerdings ansehliches, formbares Eisen zu machen, waren viele aufwendige Arbeitsschritte notwendig.  


Eisen in schmiedbarer Form konnten unsere Vorfahren so nicht in der Natur finden. Aber die feuchten Sümpfe waren voll von Raseneisenerz. Das ist ein Gemisch aus wenig Eisen und viel Sand; Waffen kann man daraus also noch nicht fertigen. Vor den Germanen lag noch viel Arbeit, um aus den rötlich-braunen Klumpen richtiges Eisen zu machen.

 

Unsere Vorfahren bauten aus Lehm große Rennöfen. Diese befüllten sie abwechselnd mit zuvor zerkleinerten und im Feuer gerösteten Raseneisenerzbröckchen und Holzkohle. Dann wurde der Ofen unten angezündet und durch ein Belüftungsloch mit Blasebälgen weiter angeheizt. So brannte die Kohle weg und das Eisenerz gab langsam sein Eisen frei. Die entstandene Schlacke aus Kohle und Sand musste dann abgelassen werden und ein kleiner Klumpen glühendes Eisen blieb übrig.


Welche Werkzeuge benutzten die Germanen?
 

Das wohl bekannteste Werkzeug der Germanen war der Hakenpflug. Hakenpflüge wurden aus hartem Eichenholz gefertigt und waren etwa dreieinhalb Meter lang. Sie wurden von zwei Ochsen gezogen, und das Gerät musste von dem Bauern gelenkt und fest in den Boden gedrückt werden. Die gebogenen Haken furchten den Ackerboden trotzdem nur wenig auf. Der Boden konnte dadurch nicht so gut gewendet werden, wie es heute moderne Maschinen ermöglichen. Die Germanen versuchten den Boden zumindest einigermaßen zu lockern, indem sie die Furchen kreuz und quer über das Feld zogen. Du kannst dir vorstellen, wie anstrengend es gewesen sein muss, auf diese Weise einen ganzen Acker zu bearbeiten!

Um das reife Korn zu ernten, benutzten die Germanen kleine Sicheln. Diese bestanden aus einem kurzen Handgriff aus Holz und einer gekrümmten Klinge aus Eisen oder Stahl. Mit ihnen schnitten unsere Vorfahren die Ähren.

Auf die Ähren wurde dann mit einfachen Dreschflegeln oder Knüppeln eingedroschen, bis sich die Körner lösten. Knüppel sind eine Art Keule aus Holz. Als Untergrund dienten Bretter aus Tannenholz.

Die Germanen trennten Spreu und Weizen voneinander, indem sie die Körner mit einer Windschaufel in die Luft warfen, so dass die Hülsen weggeweht wurden. Eine Windschaufel könnt ihr euch wie eine einfache, breitflächige, hölzerne Schaufel vorstellen. 

Auf einem Sieb aus feingespaltenem Holz wurden dann die Körner von Unkrautsamen getrennt.      

Mit Hilfe von großen, flachen Reibsteinen wurden die Körner zerquetscht. So verarbeiteten die Germanen ihre Ernte zu Mehl. Das Mahlen von einem Kilogramm Getreide dauerte etwa eine Stunde. Später wurden dann erste Handmühlen gebaut, die die Arbeit sehr erleichterten.
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Wenn unsere Vorfahren Bäume fällten, taten sie das mit einfachen Steinbeilen. Ein solches  Beil bestand aus einem hölzernen Griff und einer steinernen „Klinge“. Es war unserer heutigen  Axt sehr ähnlich und konnte sowohl als Werkzeug als auch als Waffe verwendet werden.
 

Zum Fangen von Fischen flochten die Germanen Reusen aus Weide. Dies waren kegelförmige Körbe, die in Flüssen so angebracht wurden, dass Fische versehentlich hinein schwimmen und nicht wieder herausfinden sollten.

Quelle des Bildes: Ulrike Karau - Bilder vom Sachsenhof

Manche Germanen, wie zum Beispiel Otto und Willi, die Jungen vom Sachsenhof, versuchten auch mit ihren Speeren Fische zu fangen. Geschickten und schnellen Fischern gelang es auch mit dieser Methode gute Fänge zu machen.
   





Diesen Artikel schrieb dir: Johanna Depenbrock - Abiturientin des Arnoldinum in Burgsteinfurt - 2008

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